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Geschichte der Stadt Lychen

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Wechselhaft ist die Geschichte Lychens. Während der Völkerwanderung (5. - 6. Jh.) kamen aus dem Osten slawische Völker in das verlassene Gebiet. Hier konnten sie dem Fischfang nachgehen, Ackerland anlegen und nutzen sowie ihre Tiere weiden lassen. Ihre Wohnplätze legten sie auf Inseln und Halbinseln, da diese natürlichen Schutz boten. Hier bauten sie Fluchtburgen. Eine solche Anlage ist der Burgwall (jetzt Lindenhof), eine Halbinsel im Wurlsee.

Die Insellage, die gute Verteidigungs- und Übergangsmöglichkeiten bot, war sicher Veranlassung dafür, dass Markgraf Johann I. hier anno 1248 eine Stadt gründete. Die Bürger wurden mit Ackerland und Weide ausgestattet und erhielten das Recht mit kleinen Netzen und Reusen in den angrenzenden Seen zu fischen. Nach der Urbarmachung der Felder begann man mit der Befestigung der Stadt und mit dem Bau der Kirche (13. und 14. Jh.). Die Mauer wurde aus Felssteinen der Umgebung gebaut, war 6 m hoch und hatte erst 2, später 3 Tortürme. Das Fürstenberger und das Templiner Tor sind schon lange abgerissen. Das Stargarder Tor stürzte 1976 ein und wurde nicht wieder aufgebaut. Reste der Tore und Wiekhäuse (Kampfhäuser) sind noch zu erkennen. Nach kriegerischen Auseinandersetzungen fällt Lychen 1302 an Mecklenburg. Nach einem Angriff des Markgrafen Johann von Brandenburg vom Walde aus am Oberpfuhl (seitdem Markgrafenbusch) kam die Stadt wieder zu Brandenburg. Lychen - historiches der Zeit von 1500-1600 ist über die Geschichte Lychens nur wenig bekannt, da alle Akten bei den großen Bränden vernichtet wurden. Der 30-jährige Krieg (1618-1648) ging an Lychen nicht spurlos vorbei, Hunger und Pest forderten ihre Opfer. 1644 sind nur noch 17 Häuser von 29 Menschen bewohnt. Der Wiederaufbau der Stadt nach dem 30- jährigen Krieg ging über einen langen Zeitraum nur langsam voran. 1653 waren in Lychen wieder 55 Häuser vorhanden, doch ein Großfeuer 1648 vernichtete fast die gesamte Stadt, selbst die Kirche brannte aus. 1690 begann man mit ihrem Wiederaufbau. Am 30.04.1732 brach erneut ein Feuer aus, in 3 Stunden war Lychen ein rauchender Trümmerhaufen. Verschont blieben nur die Kirche, die Schule, das Hospital und 28 Häuser. Auch das hölzerne Rathaus ging in Flammen auf. Im Jahre 1747 wurde ein neues Rathaus gebaut, ein frei stehender Putzbau. 1784 hatte Lychen 871 Einwohner. Rückschläge gab es auch während des Siebenjährigen Krieges (1756-63) durch die schwedische Besetzung, die die Stadt finanziell schwer belastete. Der preußisch-französische Krieg (1806-07) brachte neue Belastungen und Schwierigkeiten. Die Stadt wurde von französischen Truppen unter Bernadotte verwüstet, geplündert und beraubt. Das Aussehen der Stadt veränderte sich in den folgenden Jahren nicht viel, wohl aber die Struktur der Bevölkerung. Rathaus Lychen - anno 1748 aus einer vorwiegenden Ackerbürgerstadt wurde eine Stadt der Handwerker. Da bis 1900 in Lychen wenig gebaut wurde, gab es wenig zu verdienen. Alle Handwerker betrieben daher nebenbei eine kleine Landwirtschaft. Versuche, Industrie in Lychen anzusiedeln, schlugen fehl, da die Verkehrslage zu ungünstig war. Einzig und allein konnten sich die Reißzweckenfabrik (die Reißzwecke wurde hier in Lychen erfunden) und die Sägewerke halten. Voran ging es erst, als 1891 die Chaussee Lychen-Templin und die Eisenbahnstrecke Templin-Fürstenberg 1899 gebaut und eröffnet wurden. Nun war Lychen an das Verkehrsnetz angeschlossen und es entwickelte sich vom Ackerbürger- und Handwerksstädtchen zum Erholungsort. Dem damaligen Bürgermeister Bachhuber (1902-33) gelang es, Lychen zu einem Luftkurort zu entwickeln. Die Gründung der Volksheilstätten (1903-1914) des DRK in Hohenlychen, deren Initiator Prof. Dr. Pannwitz war, ist davon nicht zu trennen, der Aufschwung Lychens begann. Die Stadt erhielt Wasserleitung, elektrisches Licht, Straßen wurden gepflastert ... Rückschläge gab es zwar durch den 1. Weltkrieg und die Inflation, aber dennoch wuchs die Bedeutung als Erholungsort weiter. So hatte die Stadt schon 1931 die höchste Zahl der Übernachtungen von Sommergästen in der Provinz Brandenburg. Eine glänzende Zukunft stand der Stadt bevor, da zerstörte der Beginn des 2. Weltkrieges alle Hoffnungen. Während des Krieges wurde aus den Heilstätten ein SS- Lazarett. Der damalige Chefarzt, Prof. Dr. Gebhardt, nahm an Frauen aus dem nahegelegenen Konzentrationslager Ravensbrück grauenvolle medizinische Versuche vor, an denen viele Frauen starben. Prof. Dr. Gebhardt wurde dafür vom Nürnberger Kriegsverbrechergericht zum Tode verurteilt und hingerichtet. Am Ende des Krieges hatte Lychen zahlreiche Tote, viele Menschen waren geflüchtet und kehrten nicht zurück. Ein großer Teil der Stadt stand in Flammen - nicht die Folge des Luftangriffes, sondern angezündet von den Siegern. Nur langsam begann nach 1945 der Aufschwung. Inden folgenden Jahren wurde Lychen wieder als Erholungsort bekannt, da viele Betriebe Ferieneinrichtungen bauten und Campingplätze schufen. Leider wurde in den 40 Jahren DDR der Wiederaufbau der Innenstadt immer wieder verzögert - unmittelbar vor der Wende wurde mit dem Aufbau der Fürstenberger Straße und des Marktes (1989) begonnen. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands wurde und wird in der Stadt viel getan, damit Lychen wieder ein attraktiver Erholungsort wird. Der erste Schritt dahin ist bereits erreicht. Seit 1996 ist Lychen "Staatlich anerkannter Erholungsort".

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