Die Jahrhundertflut in der Uckermark

Auch die Uckermark war im Juli/ August 1997 von der Hochwasserkatastrophe an der Oder betroffen.
Eine Chronik der Ereignisse finden sie hier.
Dieses Sommerhochwasser, das als die "Jahrhundertflut" in die Geschichte Brandenburgs eingehen wird, brachte auch für die Uckermärker Angst, schlaflose Nächte und unruhige Tage, kostete Nerven und nicht zuletzt auch viel Geld.
Dass in der Uckermark, im Gegensatz zum südlichen Brandenburg, die Flut sich nicht zur Katastrophe auswuchs, war dem Einsatz zahlloser Helfer und einigen natürlichen Gegebenheiten zu verdanken.
In den Medien ist die Uckermark kaum erwähnt worden dort konzentrierte man sich zunächst auf die Stadt Frankfurt/Oder und später auf die Ziltendorfer Niederung und das Oderbruch.
Trotzdem gab es auch hier hochdramatische Stunden, die von den Helfern vor Ort und den Stäben und Einsatzleitungen alles abverlangten. Aber so, wie die Uckermärker sind, haben sie auch diese dramatischen Tage bewältigt: Man tat ruhig, aber konzentriert, seine Arbeit, machte darum nicht viel Aufhebens, und wo jemand Hilfe brauchte oder in Not geriet, fassten seine Nachbarn, Bekannte oder die vielen Helfer ohne viel zu fragen mit an.
Betroffen von dem Hochwasser waren die uckermärkischen Orte entlang der Oder sowie der Hohensaaten- Friedrichsthaler Wasserstrasse (HFW). Letztere ist ein Kanal, der bei Hohenssaten von der sogenannten "Alten Oder" abzweigt, ca. 40 km an der Kreisgrenze entlang verläuft und bei Friedrichsthal wieder in die Oder mündet. An diesem Kanal liegen unter anderem die Orte Stolpe, Criewen, Zützen, Gatow und Friedrichsthal und vor allem die 45000-Einwohner-Stadt Schwedt/Oder. Nördlich der Einmündung der HFW in die Oder waren auch die Orte Gartz und Mescherin von dem Hochwasser bedroht. 
Karte des uckermärkischen Hochwassergebietes bei bei MOLNet.
Eine Besonderheit im uckermärkischen Oderland, die offenbar auch ihren Beitrag zur Verhinderung der Katastrophe geleistet hat, sind die weiten Polderflächen.
Dabei handelt es sich um riesige Flussauen, die den grössten Teil des Jahres trockenliegen, aber bei Hochwasser geflutet werden können. Dabei kann sich das Wasser über eine grosse Fläche ausbreiten und nimmt damit einen Teil des riesigen Wasserdruckes von den Deichen.
Diese Polder wurden zu Beginn des Hochwassers geflutet und nahmen damit grosse Mengen Wasser auf.
Die gefluteten Polder bieten ein einmaliges Naturschauspiel: Während die Oder sonst nur einige Dutzend Meter breit ist, verwandeln sich die Polder bei Flutung in ein riesiges Meer, das bis unmittelbar an die Stadt Schwedt heranreicht.
Da die Winterdeiche höher reichen als das Niveau der an die Deiche grenzenden Stadtteile, bietet sich von dort ein faszinierendes, aber auch unheimliches Bild: Man schaut regelrecht von unten auf das "Meer" dessen Oberfläche über einem liegt. Das Poldergebiet bildet übrigens den grössten Teil des Nationalparkes "Unteres Odertal", das eine in Europa einzigartige Flussauenlandschaft darstellt. 

Das Hochwasser bewirkte in ganz Brandenburg folgende Schäden: 
  • Gesamtschaden 647 Mill. DM
  • 302 beschädigte Wohngebäude, Schaden 25,6 Mill. DM
  • 27,5 Mill. DM Schäden für die Wirtschaft
  • 31,4 Mill. DM Schaden für die Landwirtschaft
  • 100,6 Mill. DM Kosten für die Kommunen
  • 220,7 Mill. DM Aufwendungen durch das Land
  • 229,7 Mill. DM Aufwendungen für den Bund.
P.S.: Der Verfasser hat das Hochwasser am Bürgertelefon des Krisenstabes von Anfang bis Ende miterlebt. Es war ein ständiges Schwanken zwischen der Angst und der Hoffnung, die zahllosen Helfer könnten die Katastrophe verhindern. Gleichzeitig war es beeindruckend, welche Welle an Hilfsbereitschaft, Solidarität und Zusammengehörigkeitsgefühl aus ganz Deutschland hier ankam. Hoffentlich lernen wir aus der Oderflut. Inzwischen, wenige Monate nach der Flut, hört man schon wieder, wie zäh sich die Anstrengungen zur Schaffung von Überflutungsflächen und anderen Hochwasserschutzmassnahmen anlassen. Die Menschen vergessen ziemlich schnell... 
  • Bei der Landesregierung Brandenburg finden Sie ein Archiv mit Informationen zum Oderhochwasser.
  • Bei MOLNet finden Sie Informationen zum Jahrhunderthochwasser im Oderbruch.
  • Die GFA (Gesellschaft für angewandte Fernerkundung) hat eine Sammlung von Satellitenbildern der betroffenen Regionen ins Netz gestellt.
  • Fotoimpressionen vom Oder-Hochwasser bei Schwedt/Oder



    Inhalt wurde uns freundlicherweise durch H.Streich zur Verfügung gestellt
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