Sagen und Geschichten - Vierraden

Die letzten Grafen von Hohenstein

An der Nordseite von Vierraden liegen an der Welse die Trümmer der ehemaligen Burg der Grafen von Hohenstein, von der noch ein hoher Turm bis auf den heutigen Tag steht. Von den übrigen Gebäuden sind indes nur noch die Grundmauern zu sehen. In dieser Burg lebten vor Zeiten die Grafen von Hohenstein, zuletzt ein Vater mit seinem Sohn. Da geschah es, daß der Vater einst nach Chorin ritt, denn dort wurden immer große Turniere gehalten.

Seinem Kaplan befahl er, während seiner Abwesenheit seinen Sohn gut zu bewachen, denn der suche Händel und könne leicht in Gefahr geraten; außerdem prägte er es aber auch dem Wächter an der Zugbrücke noch ganz besonders ein, seinen Sohn unter keiner Bedingung aus der Burg zu lassen. Zu derselben Zeit lebten in Penkun und Gartz zwei Ritter, die schon lange verfeindet waren, und der von Gartz hatte dem Penkunschen, der Brautmann war, seine Frau geraubt und auf sein Schloß gebracht. Das hatte der junge Hohenstein gehört, und sann auf eine List, wie er seinem Freunde, dem Ritter von Penkun, zu Hilfe kommen könne.

Zu dem Zwecke nahm er, als der Kaplan eingeschlafen war, dessen Kutte, zog sie sich an und kam auf diese Art glücklich über die Zugbrücke. Einige Knechte, die er vorher schon für sich gewonnen hatte, nahm er mit und zog nach Gartz, wo er die Braut des Penkunschen Ritters aus der Burg holte und zu ihrem Brautmann zurückführte. Währenddessen war aber der Kaplan erwacht, hatte schnell eine Anzahl Knappen ausgeschickt und ihnen befohlen, wo sie den jungen Hohenstein fingen, sollten sie ihm auf der Stelle dreißig Hiebe erteilen.

Sie brauchten nicht lange zu spähen und die verhängte Strafe wurde trotz heftiger Gegenwehr an ihm vollzogen. Dadurch fühlte er sich in seiner Ehre so gekränkt, daß er nicht mehr in die Burg zurückgekehrt ist, und seither hat man ihn nicht wieder gesehen. Sein Vater aber starb bald danach auf einem großen Turnier in Chorin, und mit ihm ist der letzte der Grafen von Hohenstein in die Grube gefahren.

Quelle: Gerhard Hänsel,Uckermärkische Sagen, KIRO-Verlag 1996

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