Sagen und Geschichten - Prenzlau

Die blutrote Rose

Fährt man aus Prenzlau in Richtung Osten, nach Bietikow, so kommt man an der Georgshospitalkirche vorbei. Links davon, auf einem kleinen Hügel,stand seit alters her eine große Eiche. An diese Eiche wurden Verbrecher aufgehängt. Um die Eiche herum wurden auf diesem Richtplatz dann auch die Übeltäter verscharrt. Ein riesiger Rosenbusch, der dort wuchs, trieb jedes Jahr im Juni wundervolle Blüten. Er war eine richtige Sehenswürdigkeit geworden. Jeder, der kam, hatte eine richtige Scheu vor ihm. Und damit hatte es folgende Bewandtnis: In der Kammstraße im nahen Prenzlau wohnten zwei Familien, von denen die eine nur einen Sohn, die andere nur eine Tochter hatten.

Die Kinder waren zusammen aufgewachsen, hatten sich sehr gern und wollten heiraten. Der Vater des Mädchen hatte mit ihr jedoch andere Pläne. Sie sollte nicht den Sohn des armen Kammachers heiraten, sondern den Sohn eines reichen Goldschmiedes. Je näher aber die Hochzeit kam, um so größer wurde die Liebe der beiden zueinander.Kurz vor der Hochzeit verließen beide ihre Elternhäuser und wanderten weg von Prenzlau. Aber so sehr sie sich mühten, um sich gemeinsam zu ernähren, ihr Leben stand unter keinem guten Stern. Ihr Mann verließ sie, um woanders sein Glück zu versuchen. Sie ernährte sich kümmerlich vom Besenbinden und wartete sehnsüchtig auf seine Rückkehr.

Sie zog wieder nach Prenzlau, und wie groß war ihr Erschrecken, als man eines Tages einen Mörder in die Stadt brachte: Es war ihr geliebter Mann. Man führte ihn zum Galgenberg; es half der Frau nichts, man ließ sie nicht mehr zu ihm. Erst als das Urteil vollstreckt war, und man den Toten vom Galgen abgenommen hatte, konnte sie zu ihm gehen. Sie warf sich über ihn und drückte einen Kuß auf seine Lippen. Als man die beiden trennen wollte, merkte man, das auch sie tot war. Nun begrub man beide am Galgenhügel. Aus ihrem gemeinsamen Grab wuchs nun der Rosenstrauch, der in jedem Jahr blutrote Rosen der Liebe über den Tod hinaus trug.

Quelle: Teufelssteine, Unheimliche Geschichten von den Ufern des Flusses Ucker, ARKADIEN e. V., Schibri-Verlag, 1997

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