Sagen und Geschichten - Prenzlau
Die Hände von Prenzlau
Der erste Hohenzoller in der Mark, Kurfürst Friedrich 1., hatte in seinem Lande harte und schwere Kämpfe auszufechten. Aber mit fester Hand ging er gegen das Raubrittertum vor, und er hatte manchen Strauß mit den Städten zu bestehen, die in der langen Zeit der Herrenlosigkeit in der Mark gegen Fürsten und Adlige mißtrauisch geworden waren und gelernt hatten, sich auf ihre eigene Kraft zu verlassen. Die Städte, die an den Grenzen der Mark lagen, mochten es nicht gern mit den Fürsten der Nachbarschaft verderben, da diese ihnen, wie sie mehrfach erfahren hatten, eher beistanden als die eigenen Landesherren. In dem Kriege nun, den Friedrich gegen die Pommernherzöge führen mußte, hatte die Stadt Prenzlau, die dem Kurfürsten den Eid der Treue geschworen hatte, zwar den Feinden die Tore verschlossen.
Aber die Bürgermeister Klaus Belz und Zabel Grieben hatten Verrat geübt. Sie hatten einen der pommerschen Hauptleute verkleidet in die Stadt hereingelassen, um mit ihm zu verhandeln. Es war ein gewisser Klaus Koppen, ein Kriegsknecht und Hauptmann der pommerschen Herzöge gewesen, der 1425 im Februar die Stadt Prenzlau den beiden Fürsten von Stettin, Kasimir und Otto, in die Hände gespielt hatte. Er hatte sich von Rats, der mit den niederen Bürgern in Zwist lebte, zum Torwächter auf dem Blindower Torturme bestellen lassen. Er hatte dann einst in dunkler Februarnacht an diesem Torturme eine Leuchte ausgesteckt, die ein Zeichenwar, daß die Pforte dem pommerschen Fürsten offenstände. So waren die Pommern in die Stadt eingedrungen. Herzog Otto rief den Bürgern bei der Huldigung zu: "Hättet ihr euch als biedere Männer gezeigt und nicht als feige Memmen, so hätte ich eure Stadt nimmer gewinnen können". Daher sagte man später, wenn ein Bürger gar finster dreinschaute: "Er sieht aus, als wenn er Prenzlau verraten hätte". Da der Kurfürst nicht im Lande war, so mußte sein ältester Sohn, der Statthalter Markgraf Johann,1426 mit einem Heere aufbrechen, um Prenzlau zu befreien.
Bei seinem Nahen setzte sich die brandenburgische Partei in Prenzlau mit ihm in Verbindung. Ein ihm treu ergebener Bürger, Rodinger, der Befehlshaber der Stadtknechte, war zur Stelle. Er führte die Märker durch Sumpf und Wiesen, und trug auf seinen starken Schultern den Markgrafen durch die Ucker, in der Dunkelheit der Nacht durch eine ausgestreckte Leuchte geleitet. Dicht vor dem Ufer drohte aber Rodinger unter der Last den geharnischten Ritters zu erliegen. Da feuerte ihn Prinz Johannmit den Worten an: "Steht fest, mein Mann, du trägst Brandenburg auf deinem Rücken!" Der Überfall gelang. Die Schlachtrufe: "Brandenburg!" "Stettin"! erklangen durch die fackelbeleuchteten Straßen. Die Pommern wehrten sich mutig, mußten aber endlich weichen Klaus Koppen hielt mit äußerster Tapferkeit das Blindower Tor noch einige Tage lang.
Als man ihm vor seinem Turme aber Stroh und grünes Holz anzündete und ihn ausräucherte, ergab er sich und erhielt ehrenvollen Abzug. Die Streitigkeiten zwischen dem Rat und den Bürgern wurde geschlichtet. Den beiden verräterischen Bürgermeistern wurde die rechte Hand, mit der sie dem Kurfürsten Treue geschworen hatten, abgehauen; dann wurden sie enthauptet. Die beiden Hände aber hat man lange Zeit zum Andenken an jene Tat tat im Rathause zu Prenzlau aufbewahrt.
Quelle: Sagenschatz der uckermärkischen Kreise, gesammelt und herausgegeben von Rudolf Schmidt - Eberswalde, Prenzlau 1922
