Sagen und Geschichten - Prenzlau
Geschichten aus der Badestube
Eine alte Badestube soll sich in Prenzlau, in der Nähe des Kuhtores am Mittelgraben, befunden haben. Sie wurde jahrelang von einem jungen Mann besucht, der auch für die alte Muhme, von der man sich viel merkwürdiges erzählte, ein Auge hatte. Der Alten, die ihren Platz in der Ofenecke hatte, schenkte er ab und zu etwas. War es einmal ein mürber Apfel oder ein "Salzkötter", er hatte oft für sie eine Aufmerksamkeit. Als Dank dafür schenkte sie ihm dafür eines Tages drei Erbsen. Er solle sie nur gut aufheben. Wenn er in große Not käme, solle er nur eine auf die Erde werfen, dann würde ihm geholfen werden.
Es verstrich eine ganze Zeit, und er dachte gar nicht mehr an die Wundererbsen. Eines Tages, er war gerade bei der Feldarbeit, da bekam er schrecklichen Durst. Da fielen ihm die Erbsen ein. Er warf eine zu Boden und schon stand ein Krug mit kühlen Wasser vor ihm auf dem Boden. Ein anderes Mal traf er ein weinendes kleines Mädchen an. Ihm war der Kranz für das Grab ihrer Mutter vertrocknet.Er warf die zweite Erbse zu Boden, und schon waren die Blumen wieder frisch und die Tränen des Mädchens getrocknet. Etwas später wurde seine Nachbarin krank. Ohne Bedenken opferte er auch die dritte Wundererbse, um der Kranken zu helfen.
Als er wieder zum Bad ging, traf er die Alte wieder. Ganz leise sagte sie zu ihm, er habe ja nur die Erbsen dafür gebraucht, anderen zu helfen. Nun aber wolle sie ihm eine Schuppe von einem Karpfen geben, die ihm einen Wunsch erfüllen würde. Im Herbst ging er in den Wald, um Holz zu holen. Da begegnete er einer alten Frau, die sich mit einem großen Holzbündel abquälte. Die Hölzer waren aber so schwer wie Blei. Da erinnerte er sich aber an die Schuppe und er warf sie zu Boden. Er wünschte sich die Alte als junges Mädchen und daß Holz zu Gold werden würde. Sofort stand ein bildschönes Mädchen vor ihm mit einem Korb voller Goldstücke. Sie sagte, daß sie von einer bösen Hexe verzaubert worden sei, aber nun endlich durch seine fortwährende Hilfsbereitschaft erlöst worden wäre.
Quelle: Teufelssteine, Unheimliche Geschichten von den Ufern des Flusses Ucker, ARKADIEN e. V., Schibri-Verlag, 1997
