Sagen und Geschichten - Milmersdorf

Die Stadt im Kölpinsee

Der Kölpinsee bei Milmersdorf liegt nicht etwa von Urzeiten an der Stelle, wo er jetzt auf derKarte verzeichnet ist. Vielmehr stand dort früher eine Stadt. Die Bewohner waren sehr reich. Darüber vergaßen sie den strebsamen Eifer, mit dem sie das viele Geld angehäuft hatten. Anstelle des Strebens trat Behäbigkeit; die Behäbigkeit hatte Genuß im Gefolge; der Genuß vergaß den Herrn im Himmel und machte den eigenen Bauch und das Geld zum Gott.

Das Geldzählen wurde die liebste Beschäftigung der Bewohner. Da ließ der liebe Gott den Ort, als einst die Lästerungen den Gipfel erklimmten, untergehen und an seine Stelle den See treten. Ab und zu taucht der Ort ans Tageslicht als Warnung gegen Genuß und Eigennutz. Einmal erlebte dies ein Milmersdorfer Bauer, der in der Nähe pflügte. Von dorther, wo am See eine vereinsamte Kirchenruine liegt, vernahm er heftiges Glockenläuten. Ein erst ferner, dann immer näher kommender frommer Gesang setzte ein.

Der Bauer wandte seinen Blick zur Ruine; aber da war das gewohnte Bild. Doch nun läßt er seine Augen über den See schweifen und siehe, welches Bild: herrliche Bauten spiegeln sich im Wasser wider. Aber zwischen den Häusern folgen keine frommen Beter dem mahnenden Glockengeläut, das immer lauter ertönt, bis es mit einem herzzerreißenden Klang abbricht. Auch ein Mädchen, das einstmals in der Nähe der Ruine Feldblumen zum Strauß fügte, hat für Minuten dieses Bild gehabt. Ihr aber wurde das fromme Läuten zum Krachen und Sturmgeläute. Hochauf peitschte das Wasser des Sees, um im nächsten Augenblick wieder ruhig und still dazuliegen.

Schreiend entfernte sich das Kind. Ein andermal wird erzählt, daß es sich bei der untergegangenen Stadt nur um ein Dorf handelt. Zeuge seines Unterganges wurde ein Liebespaar, das sich verirrt hatte. Als es die Nähe der Häuser für das eigene Dorf hielt, wollte es, um nicht gesehen zu werden, hinten herum schlüpfen Das war aber sein Glück; denn im Umsehen gewahrten sie das Versinken der Schattenhaften Häuser und mächtige Kreise auf einem großen Wasserspiegel. Voller Schrecken beschleunigten sie ihre Schritte.

Quelle: Unsere Heimat, Blätter für Heimatpflege, Unterhaltung und Belehrung, Wochenbeilage zum "Templiner Kreisblatt, Templiner Zeitung", Nr. 53, Freitag, den 04.März 1938, 91. Jahrgang

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