Geschichten und Sagen aus der Uckermark
Der Nachtwächter von Angermünde
Vor langen Jahren hat sich in Angermünde einmal eine wunderliche Geschichte zugetragen. Es war im Herbst, die Bäume hatten Ihr Laub fast schon verloren. Nur ab und zu, wirbelten von der großen Linde beim alten Kloster ein paar verspätete Blätter zur Erde. Der alte Nachtwächter ging die Klosterstraße entlang, dem Schwedter Tore zu. Von der Marienkirche hatte es eben zwölf geschlagen, als er mit vernehmlicher Stimme durch die Stille sang: "Zwölf Uhr ist es an der Zeit: Lobet Gott in Ewigkeit." Da kommt durch das Schwedter Tor ein Schimmel gegangen, ohne Reiter und ohne Sattelzeug. War's nun, daß sich in dem Nachwächter der Soldat regte, er war früher Kavallerist gewesen, kurz, er schwang sich hinauf und ritt die Klosterstraße entlang.
Aber kaum hatte das Tier ein paar Schritte getan, da wurde es größer und grösser. Dem Nachtwächter wird himmelangst. Er tastet mit seiner Pike nach dem Erdboden, aber der ist nicht zu erreichen. Als der Schimmel mit seinem Halter bis an das Kloster gekommen ist, befindet sich der Nachwächter mit dem Dachfirst in gleicher Höhe. Mit einem Satz springt der Nachtwächter auf das Klosterdach und in demselben Augenblick ist der Schimmel verschwunden. abgerissen
AG Kirchengeschichte Gerhart Hansel Kummerow 1979
